Lüneburg 2023

Am Montag, dem 27. März begaben sich 31 vergnügte Civilistinnen und Civilisten bei strahlendem Sonnen- schein auf eine dreitägige Erlebnisreise nach Celle und Lüneburg. Trotz des Streiks und den damit befürchteten Auswirkun- gen auch auf die Autobahn kamen wir unbehelligt zur vorgesehenen Zeit an unserem Ziel an. Unseren ersten Stopp legten wir in Celle ein. Celle konnte sich das historische Stadtbild bewahren, da es glücklicherweise im 2. Weltkrieg nicht zerstört wurde und die vorhandenen Gebäude immer wieder liebevoll restauriert wurden.

Rund 500 Fachwerkhäuser aus fünf Jahrhunderten beherbergt die Stadt. Vermutlich wurde Celle vor den Bomben verschont, da enge Beziehungen zwischen den Welfen und dem englischen Königshaus bestehen, vermutet unsere Stadtführerin. weißen Residenzschloss, das uns auch gleich in den Bann zog. Hier begann unsere Stadtführung. Vor einem plötzlich einsetzenden Regenguss fanden wir glücklicherweise Unterschlupf in einem Kaffee und konnten bald darauf unseren Stadtrundgang in einer kurzfristig regenfreien Phase bei +2Grad beginnen.

Der Ort wird dominiert von dem strahlend weißen Residenzschloss, das uns auch gleich in den Bann zog.  Das Celler Schloss, sicher das bedeutendste Bauwerk der Stadt, geht auf eine Anlage aus dem 13. Jahrhundert hervor und erhielt nach zahlreichen Umbauten sein heutiges barockes Erscheinungsbild. Leider konnten wir die sehenswerte Schlosskapelle und das historische Schlosstheater an diesem Tag (montags geschlossen) nicht besuchen. Dafür wurden wir aber durch die wunderbare Altstadt mit ihren prächtigen Fachwerkhäusern reichlich entlohnt. Die Häuser wurden mit viel Liebe zum Detail restauriert und strahlen heute wieder so farbenfroh wie einst.

Eines der schönsten Gassen in Celle ist die Kalandgasse, in der sich das Versammlungshaus der Kalandbrüderschaft befand, einem mittelalterlichen, halb religiösen, halb weltlichen Orden, der hier sein Versammlungshaus hatte. An dessen Stelle steht heute die 1602 errichtete Lateinschule, mit einer Fassade aus reich verziertem Schnitzwerk. Zum Schluss der Führung hatten uns die Wetterkapriolen mit Schnee- und Hagelschauern doch noch eingeholt. Wie gut, dass es in Celle noch Karstadt gibt. Dort fanden wir sicheren Unterschlupf und konnten unsere halb erfrorenen Hände und Füße wieder etwas erwärmen.

Zur Freude aller führte Frau Malwitz uns die neuesten Sommerhutkreationen vor und ließ uns die Kälte vergessen. Vom trockenen Unterstand aus bewunderten wir das gegenüberliegende prächtige Hoppener Haus. Der Celler Amtsschreiber Simon Hoppener ist Namensgeber des im Jahre 1532 im Auftrag des Herzogs errichteten Ge- bäudes. Das farbige Brustbild des Herzogs Ernst der Be- kenner ist allerdings eine Ergänzung, die zu Beginn des 20. Jh. entstanden ist. Nach dieser eindrucksvollen Stadtbesichtigung und mit dem Gedicht von Heinz Erhardt: Das Leben kommt auf alle Fälle aus einer Zelle, doch manchmal endets auch – bei Strolchen – in einer solchen. (Anmerkung des Autors: Und manchmal auch im Knast in Celle) ließen wir bei der Weiterfahrt, entspannt in unserem bequemen Reisebus sitzend, die Landschaft an uns vorbeiziehen und erreichten am Nachmittag unser zweites Reiseziel Lüneburg.

Hier wohnten wir in der Altstadt im recht verzweigten Hotelkomplex Bergström an der Ilmenau. Vor dem Abendessen hatten wir noch die Möglichkeit für einen kleinen Erkundungsgang. Von der Brücke der Ilmenau hat man einen wunderbaren Blick auf das Hafenviertel, die ehe- malige Mühle und den ehemaligen Kran, der noch heute funktionsfähig sein soll. Ihren Reichtum verdankt Lüneburg dem Salz. Mit dem „weißen Gold“ trieben die Mächtigen der Stadt, die dem Kaufmannsbund der Hanse angehörten, bereits ab dem Mittelalter regen Handel. Um diesen Reichtum zu dokumentieren, wurden im Gegensatz zu Celle die prächtigen Giebelhäuser mit einer Steinfassade versehen.

Unsere Stadtführerin holte uns am folgenden Morgen vom Hotel ab, um uns durch die schönsten Gassen von Lüneburg zu führen. Von ihr erhielten wir überaus reichhaltige Informationen über die Geschichte der intere santesten Backstein-Giebelhäuser und ihrer ehemaligen Bewohner. Durch die alten Gassen führte uns unser Wag vorbei an der mächtigen St. Johanniskirche zum Wasserturm mit seiner Aussichtsplattform. Zum Glück mussten wir die 56 Meter nicht zu Fuß bewältigen, sondern fuhren bequem mit dem Lift nach oben. Hier genossen wir ein überwältigendes Panorama bei bester Sicht über die Stadt. Aber auch der Weg über die Treppen nach unten war spektakulär. Das Treppenhaus ist in sphärisches Blau gehüllt und verschafft den Eindruck an Bord einer Raumstation zu sein. Der langgestreckte Platz „Am Sande“ ist bekannt für seine besonders schönen Giebelhäuser. Verschiedene Stielrichtungen stehen nebeneinander in vollendeter Harmonie.

Ein besonderes Highlight ist die alte „Rats-Apotheke“ mit ihrem monumentalen Renaissance-Portal aus Sandstein aus dem Jahre 1598. Sie wurde nach alten Zeichnungen restauriert und erfreut den Betrachter wieder in alten Farben.Mit einer Fülle an Wissen und müden Beinen kehrten wir zurück ins Hotel zu einer kurzen Mittagsrast, denn schon am frühen Nachmittag erwartete uns eine weitere Attraktion. Das Lüneburger Rathaus gehört mit seiner 1720 voll- endeten barocken Marktfassade zu den herausragendsten Baudenkmälern Norddeutschlands. Dank der Vermittlung von Frau Heuer empfing uns die Oberbürgermeisterin Frau Claudia Ka- lisch im historischen Huldigungssaal. Unsere Präsidentin überreichte Frau Kalisch, die mit Amtskette erschienen war, als kleines Präsent ein Buch über Münster und ein Münsterlicht. Es war eine nette Geste der Gastfreundschaft, dass die Oberbürgermeisterin es trotz ihres vo len Terminkalenders möglich gemacht hat, die Gruppe aus Münster kurz persönlich zu begrüßen.

Uns dagegen wurde eine interes- sante Führung durch die historischen Räume des Rathauses geboten. Besonders beeindruckend war die „Gerichtslaube“, mit deren Bau bereits 1330 begonnen wurde. Die Harmonie des Raums wird durch die fantastischen Deckengemälde und die bunten Fenster hervorgehoben. Den Abschluss der Führung bildete der Besuch der großen Ratsstube mit den prächtigen Schnitzarbeiten von Albert von Soest. Nach der Besichtigung dieser vielen repräse tativen Räume bleibt der Betrachter schon etwas nachdenklich zurück, vor allen wenn es um den Vergleich der Rathäuser Lüneburg und Münster geht.

Als nächstes stand noch die Kirche St. Nicolai, die kleinste der drei Hauptkirchen Lüneburgs, auf dem Programm. Die dem heiligen Nikolaus von Myra geweihte Kirche ist eine dreischiffige Basilika im Stil der Backsteingotik und besticht vor allem durch die gewaltige Höhe des Innenraums. Abschließend sollten wir noch die „Kulturbäckerei“ als letzten Punkt des Tages besichtigen. Wer nun allerdings erwartet hatte, endlich den sehnsüchtig erwarteten Nachmittagskaffee mit reichlich Gebäck zu bekommen, wurde herb enttäuscht. Denn die Kulturbäckerei hat viel mit Kultur und nichts mit Backwaren zu tun. Da bis dorthin auch noch ein längerer Fußmarsch anstand, enschlossen sich viele von uns, ins nahe gelegene Hotel zu gehen und den Nachmittag bei Kaffee und Kuchen nebst netten Gesprächen zu verbringen, was sich als gute Idee erwies.

Nach dem Abendessen im romantischen Wintergarten- restaurant mit Blick auf die Ilmenau trafen wir uns in der Hotelbar, um den Abend nach zwei erlebnisreichen Tagen in vergnügter Stimmung ausklingen zu lassen. Den letzten Tag unserer Reise mit dem Besuch eines Tierparks ausklingen zu lassen war keine schlechte Idee. Denn wir hatten in den zwei Tagen der Stadtbesichtigungen so viel erlebt, dass uns allen ein entspannter Fußmarsch zwischen Polarwölfen und Heidschnucken gut tat. Abschließend stand noch ein gemeinsames Mittagessen in der urigen Bockhütte des Parks an. Noch heute rätseln wir, ob das servierte Gulasch vom Wildschwein oder Heidschnucke stammt. So bleibt doch noch eine Wissenslücke bei dieser informativen Fahrt zurück.

Zum Schluss darf ich im Namen aller Mitreisenden Eckard und Inge Andersson für ihre vorzügliche Planung und die vielen Mühen, die mit der Durchführung einer Reise verbunden sind, herzlich danken. Wir freuen uns schon auf die nächste Fahrt.

DIETER VON SCHWERTFÜHRER