Video-Vortrag von Prof. Martin Korda „Art-Déco - auch in Münster“

 

Art Déco – auch in Münster 

Video-Vortrag von Professor Martin Korda am 8. Juni 

„Auch Münster war stilistisch auf der Höhe der Zeit“. Ein Résumé, das Prof. Korda, drei Jahrzehnte lang Lehrer für Architektur an der Fachhochschule Münster und eine Zeit lang auch deren Rektor, den begeisterten Civilistinnen und Civilisten in seinem per Zoom übertragenen Video- vortrag überzeugend vermitteln konnte. Vor dem visuel- len Gang vom Picassoplatz übers Kreuzviertel bis hin zur Wiener Straße erläuterte er die Entstehung der Kunst- form Art Déco vor 100 Jahren. Eine Bezeichnung, die sich erst Ende der 1960er Jahre, abgeleitet vom Titel der Aus- stellung «Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes» 1925 in Paris, verbreitet hatte. 

Ganz so goldig sind die sog. Goldenen 20er Jahre ja nicht gewesen, so Korda. Viele Menschen litten nach dem ersten Weltkrieg Not und waren auf Suppenküchen an- gewiesen, die Inflation kam hinzu. War da der Wunsch nach ein wenig Ablenkung vom Elend, die Sehnsucht nach Dekoration, Luxus und Eleganz, nicht nur zu ver- ständlich? 

Nachdem der spielerische Jugendstil auch auf Grund der Kritik an den aufwendigen Details, den besonderen Designs und der zumeist teuren Materialien und Herstel- lungsmethoden während des ersten Weltkrieges aus der Mode gekommen war, suchte man nun eine Anpassung an die eher maschinell geprägte moderne Zeit. Daraus entstand ein Stil, der weniger spielerisch, sondern einfacher, symmetrisch, geometrisch und stromlinienförmig, aber dennoch ansprechend fürs Auge geprägt war. Der Art Déco Stil entfaltete sich in allen Bereichen der bildenden Kunst – Ar- chitektur, Malerei, Skulptur, Grafik, Kunstgewerbe – und auch bei der Gestaltung täglicher Gebrauchsgegenstände. 

Im Bereich der Architektur ist der von William Van Alen 1930 entworfene Wolken- kratzer Chrysler Building in Manhattan als markantes Beispiel bekannt. Prof. Korda zeigte Teile des Gebäudes, die an den Kühlergrill des damaligen Chrysler Autos mit der zur Dämpfung des Luftwiderstandes konzipierten Stromlinienform (Stream-Line) erinnern. Aus der Malerei konnten wir ein Gemälde (Irène et sa Soeur) der in Polen geborenen Tamara de Lempicka, einer der bedeutendsten Vertreterin des Art Déco sowohl in Europa als auch in Amerika, betrachten. Aufnahmen von dem im Art Déco Stil entwickelten Mobiliar, von Porzellan sowie von Lampen und Flacons und schließlich eines Tortenhebers, Erbstück des Referenten, rundeten den Überblick ab. 

Im Streifzug durch unsere Stadt zeigte Prof. Korda, dass Art Déco den Baustil in Münster nachhaltig beeinflusst hat. Am Eingang zum Restaurant Caputo‘s am Pi- cassoplatz, in dem früher ein Reisebüro untergebracht war, erkennt man die „Zick- Zack Linien“ als markantes und typisches Stilelement. In der Kellermannstraße, der Wiener Straße sowie im Bereich Schnorrenburg sehen wir die an die Form einer schweizerischen Schokolade erinnernden „Toblerone Ecken“ als typisches Beispiel der Architektur der Wohnhäuser Münsters in den 20er bis 30er Jahren. – Künftig werden die Zuschauer in diesen Straßen sicher mit aufmerksamen Augen unter- wegs sein. 

„Vom Tortenheber bis zum Chrysler Gebäude haben Sie uns heute einen wunder- baren Einblick in die Geschichte und Wirkung des Art Déco vermittelt“, dankte Prä- sident Krause-Isermann dem Referenten Prof. Korda. Dass die Begeisterung von allen geteilt wurde, belegte der abschließende Applaus. Angeregt von Prof. Dr. Ott, der die Veranstaltung professionell vorbereitet hatte, schalteten alle Teilnehmer ihr Mikrofon an und spendeten lange kräftigen Beifall. 

Herzlichen Dank, Prof. Korda und auf Wiedersehen am 11. September im Kreuz- viertel. Dann wird der Civilclub seine Mitglieder zu einem – fußläufigen – Spazier- gang mit dem Referenten einladen. 

Eckard Andersson