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Besuch des Dommuseums Paulus

Besuch am 30. September 2026

Eine große Gruppe von Civilistinnen und Civilisten kam am 30. September in den Genuss einer vorzüglichen Führung durch das Dommuseum Paulus von Dompropst Hans-Bernd Köppen, der uns engagiert, kenntisreich und prägnant durch das von ihm initiierte Dommuseum begleitete.

Eigentümerin des Gebäudes ist eine Kaufmannsfamilie. Das Domkapitel ist Mieterin. Eine gute Konstruktion in Zeiten, in denen Kirchen geschlossen werden, Gemeinden fusionieren und auch die Kirche sparen muss.

Im Mittelpunkt des Museums mit 400 qm lichtdurchfluteter Ausstellungsfläche auf zwei Etagen steht der Domschatz. Kostbare Kunstwerke und liturgische Geräte aus Jahrhunderten werden mit modernen Objekten kombiniert. Geschichte und Gegenwart treten in einen Dialog. In wechselnden Ausstellungen wird ein Teil des Domschatzes gezeigt und mit Leihgaben ergänzt.

Die Eröffnungsausstellung „Ich gehe, aber wohin?“ ist dem Namenspatron des Doms und Museums gewidmet.

Titelgeber der Ausstellung ist das Kunstwerk Vado, ma dove? (Ich gehe, aber wohin?) aus 2020 von Fabienne Verdier, das gemeinsam mit dem Büstenreliquiar des hl. Paulus von 1070 das Ausstellungsplakat ziert.

„Paulus war viel unterwegs, und seine Biographie war geprägt von Brüchen und Veränderungen“, erläuterte uns Hans-Bernd Köppen die Konzeption der Eröffnungsausstellung. „Auch der heutige Mensch steht oft vor der Frage: Wo will ich hin mit meinem Leben?“

Paulus ist für den Dom zu Münster sehr wichtig. Das zeigt sich im Patrozinium. In Deutschland ist der Münsteraner Dom der einzige Bischofssitz, dessen Patron nur der Apostel Paulus ist. So prägt Paulus auch den Domschatz.

Paulus ist auch Patron der Stadt. Deshalb findet sich in der Ausstellung auch eine Kopie der Amtskette des Oberbürgermeisters, auf der Paulus abgebildet ist. Das offizielle Dienstsiegel des Oberbürgermeisters für besondere Dokumente ist das sog. Paulus-Siegel.

Das goldene Büstenreliquiar des hl. Paulus (oben) ist das wertvollste Stück der Ausstellung und das älteste erhaltene christliche Büstenreliquiar Europas. Die Büste ist heute national wertvolles Kulturgut.

Die Ausstellung übersetzt die Bedeutung historischer Reliquien in die Gegenwart. So finden sich in der Ausstellung eine Locke von Ludwig van Beethoven und ein Trikot des FC Bayern München, das ein Junge nach einem Spiel im Preußenstadion von seinem Lieblingsspieler geschenkt bekommen hat.

Es geht damals wie heute um die Bedeutung, die Menschen Dingen geben. Mit dieser Kontextualisierung kann auch eine bekennende Borussia Dortmund-Anhängerin mit einem Bayern-Trikot in der Ausstellung gut leben.

Reliquienstatuette des Hl. Paulus mit Reliquien. Der Überlieferung nach wurde Paulus in Rom enthauptet. Die Paulusfigur zeigt ihn mit dem Schwert als Zeichen seines Martyriums. Die Statuette dient als Reliquiar. Zu den in der Ausstellung aus konservatorischen Gründen nur gezeigten Reliquien gehören Fragmente des Holzes, über dem Paulus enthauptet wurde, sowie Reste der Kette, mit der Paulus zuvor gefesselt war.

Im Jahr 2027 wird sich die Ausstellung im Dommuseum Kardinal von Galen und der Zivilcourage widmen.

Wir waren uns einig, dass das Dommuseum Paulus eine eindrucksvolle Bereicherung für die vielfältige Museumslandschaft in Münster ist.

Text: Michaela Heuer